25. August 2012, von Anne

Wetterkapriolen und Muhprotest

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Der Hochsommer macht Europa atemlos und auch vor der Rotmatt nicht halt. War das heiß in den letzten Tagen! Menschen, Tiere und Käse ächzten unter der Hitze und ich war noch gut dran, konnte ich doch einen Teil meiner Arbeit im kühlen Keller bei angenehmen 18 Grad verrichten.

Sonnenaufgang über der Twärenen

Im Vergleich zur Außentemperatur eine himmlische Kühle, aber für den Käse viel zu warm! Die jungen Laibe haben das bisher ganz gut weggesteckt, aber die Letztjährigen schwitzten teilweise Fett aus. Dem Aroma schadet das nicht und die Optik gewinnt fast noch – die Laibe sehen  nun richtig rustikal aus, wie alter Alpkäse eben. Grade zieht ein Gewitter durchs Tal und ich hoffe, die Luft kühlt sich ab und die Kellertemperatur sinkt wieder auf käsefreundliche 16 Grad.

 

Des einen Leid, ist des anderen Freud – was dem Käse schadet, nutzt dem Gras. Das ist nämlich doll gewachsen in den letzten Tagen und das Kessi zur Freude der Sennerin deutlich voller geworden. Bald reifen 400 Laibe Muotitaler Alpkäse auf der Bankung. Die ersten sind schon verkauft – doch je älter dieser junge Käse werden kann, desto besser fürs Aroma, glauben Sie mir.

 

Die Kühe sind heute besonders glücklich, denn Markus hat sie morgens auf ein neues Weidestück gelassen. Wussten Sie, dass sich Kühe fast wie wir Menschen am Buffet benehmen, wenn es um Weide geht? Wenn sie so wie heute neue Weide bekommen, nehmen sie sich nicht einmal die Zeit zum Saufen am Brunnentrog, sondern eilen im Geschwindschritt ins neue Gras – jede will die erste sein. Dort fressen sie wahllos in sich rein, was sie können und hauen sich den Bauch voll. Manche kommt am Abend übervoll zurück und wälzt sich dann ächzend auf ihrem Läger hin und her, steht auf, liegt ab usw.

Je länger die Kühe auf einer Weide sind, desto mehr schwindet diese anfängliche Begeisterung. Am besten merkt man das an der Zeit, die sie morgens nach dem Hinauslassen am Stall verbringen und an den Geräuschen, die sie dort machen. Nach zwei, drei Tagen beginnt der Stehprotest -

Muhprotest am Morgen

die Kühe stehen im Hof und gehen erst nach einer Weile auf die Weide. Zuerst eine, dann noch eine und irdendwann sind sie alle fort. Wenn das Gras noch knapper wird bzw. mühsamer ranzukommen ist, wird der Stehprotest durch den Muhprotest ergänzt. Einige Kühe machen ihrer Unzufriedenheit lauthals Luft und muhen, was die Lunge hergibt. Da braucht es starke Nerven, um sich nicht erweichen zu lassen. Denn Gras wäre noch genug da (Markus guckt jeden Tag danach), nur wächst es nicht mehr so schön ins Maul wie zu Weidebeginn. Nach spätestens einer Stunde geben die Kühe ihren Protest dann auf, der Hunger scheint größer zu sein und die Erinnerung zurück zu kommen, dass da doch noch ein Flecken Gras sein könnte…

 

Liebe Leserinnen und Leser, die Zeit eilt mir davon und der Käsekeller ruft. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit und lasse bald wieder von mir hören.

 

Herzlich grüsst Sie

 

Anne Weber

Kategorien: Blog Hintere Rotmatt | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. Liebe Anne, bin begeistert von Deinen Alp-Geschichten und freue mich sehr, dass Dir das Leben und Arbeiten da unten und dort oben so eine Freue macht. Da freue ich mich auch.
    Herzliche Grüße aus dem hohen Norden von Friderike

  2. Hi Anne & Markus,
    sind eben im Kessi-Blog gelandet und haben mit Freude gelesen, was bei euch in den letzten Wochen auf der Alp so los war.
    Wir zehren noch vom leckeren Käse und haben auch etwas davon abgegeben ;-)
    Viele liebe Grüße aus KA

  3. Liebe Friderike,

    herzlichen Dank für Deine Komplimente und Deine Mitfreude an meinem Leben hier – es ist ein Gutes, das finde ich auch.
    Herzliche Grüsse in den Norden sendet Dir
    Anne

  4. Hallo ihr Beiden! Vielen Dank für Eure Grüsse und schön, dass der Käse noch immer schmeckt, da wirkt die Alpzeit noch nach…
    Alles Gute wünscht Euch
    Anne