Archiv der Kategorie Alpgeschichten

30. Juli 2012, von Franz

Der erste Käse

Grüezi mitänand

Schon neigt sich der Juli dem Ende zu und wir sind in den Vorbereitungen für unseren 1.August-Brunch auf der Alp. Der Wetterbericht hat schönes Wetter für den Mittwoch gemeldet, so dass wir ohne Sorgen im Freien tischen können.  Wir haben schon zahlreiche Anmeldungen, aber einige Plätze sind noch frei  (Anmeldung unter 055/ 640 13 68).

Mit den Kühen geht es bald einen Stafel weiter aufwärts zum Kärpfhüttli.  Letzten Mittwoch hatten wir den Transport-Flug mit dem Heli. Unter anderem wurde die Milch-Pipeline geflogen welche wir  am Nachmittag gleich einrichteten.

Zu den Rindern schaute diese Woche Ueli, ein Kollege, und ab heute ist Ottavia für eine Woche die Rinderhirtin. Die Suche nach einem neuen Hirten gestaltet sich weiterhin als eher schwierig.

Erfreulich ist hingegen der Anschnitt vom ersten frischen Alpkäse. Er hat das richtige Aussehen und auch der Geschmack ist fein. Hier im Glarnerland haben die meisten Leute eine Vorliebe für sehr jungen Alpkäse, die neue Saison ist hiermit eröffnet. Auch haben wir letzte Woche die ersten Käse nach Glarus ins Zentralkäselager der Glarona gebracht. Hier werden sie von Emil Sigrist weiter gepflegt und übers Jahr hindurch von Heinz Trachsel verkauft. Diese Käseablieferung hat im Käsekeller auf Mettmen eine wahre Erleichterung gebracht.

Unsere Städterin erleidet nach und nach der ersten Alp Müdigkeit. Langsam bekommt Natalie eine gesunde braune Farbe im Gesicht, unser Natursolarium zeigt erste Wirkung. War sie doch bei ihrer Ankunft noch ein richtiges Bleichgesicht.

Wir wünschen einen schönen Nationalfeiertag und senden liebe Grüsse

Euer Mettmen-Teams

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25. Juli 2012, von Nadja

Rückblick 1. Sommerhälfte

Liebe Blogleserinnen, liebe Blogleser

 

Wie doch die Zeit vergeht! Bereits naht der 1. August und somit ist die erste Hälfte des Alpsommers passé. Zeit, einen kleinen Rückblick zu wagen. Viel ist geschehen und vieles ist schon wieder vergessen. Doch wenn man in den Käsekeller schaut, der sich langsam aber sicher füllt, wird einem bewusst, wie viel Milch schon zu feinen Alp-Produkten verarbeitet wurde. Bis heute lagern rund 550 Stk Alpkäse, 110 Raclette und fast 1000 Mutschli (kleine und grosse, einige wurden schon verkauft) im Keller.

 

Lange haben wir auf das Gras gewartet und oft war es kalt und ungemütlich. Doch dank wechselhaftem Wetter und nicht allzu langen Regenperioden fiel einem das Dach nie auf den Kopf, wie man so schön sagt bei uns. Bei mir persönlich hielt die Motivation stets an und das Aufstehen viel mir nicht allzu schwer. Das ist viel wert und macht die Arbeit um einiges einfacher.

 

Anfangs bis Mitte Juli hatten wir sehr viel Besuch und Hilfe. Das erleichtert und belastet. Natürlich ist es kurzweilig, aber oft bleibt man am Abend lange sitzen und die Müdigkeit nimmt stetig zu. Sosehr man die lustige Zeit geniesst, sehnt man sich irgendwann nach Ruhe und einer gewissen “Normalität”. In dieser Zeit reiste auch Martins Freundin Rebecca nach 6 Wochen wieder zurück in die USA – eine schwierige Situation für die beiden. Dank dem Einsatz von Hans (Bruder von Simon) konnte Martin eine dreitägige Auszeit nehmen und Rebecca nach Deutschland zum Flughafen begleiten. Nun kommunizieren beide via Skype (Telefon übers Internet).

 

Zurzeit läuft alles prima. Die Ergebnisse der Milchkontrolle vor ein paar Tagen waren gut und somit kann die nächste Hälfte mit gutem Gefühl in Angriff genommen werden.

 

Zum Schluss eine kleine Kuh-Episode von heute Morgen: Gandria, unsere Schnüfflerin und Knabberin, ging wie gewohnt nicht gleich an ihren Platz, sondern lief durch den Stall und wollte ein bisschen zur Tür rausschauen. Da plötzlich öffnete sich die untere Stallstür und Gandria schlich sich raus. Natürlich folgte ihr Bambi unverzüglich. Als ich in den Stall kam, waren die beiden genüsslich den Schnittlauch und die Radiesschen aus meinem Garten am fressen. Die “Lumpetruckene”! Schnell mussten die beiden dann zurück auf ihren Platz.

 

Bis zum nächsten Mal und nicht vergessen: Anmeldungen für den 1. August-Brunch nehmen wir gerne unter 033 251 32 60 entgegen.

 

Liebe Grüsse

Nadja

 

 

 

 

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24. Juli 2012, von Franz

Endlich Sommer

Grüezi mitänand!

 

Nun ist schon wieder eine Woche ins Land gezogen und bei uns ist einiges passiert.

Letzte Woche hat uns unser Rinderhirt Patrick verlasse, da er in seiner Heimat Östereich ein verlockendes Stellenangebot angeboten bekam und ihm sein Knie nach einem Sturz sehr zu schaffen machte. Zum Glück haben wir viele gute Freunde welche ihre Ferien opfern um auf unsere Rinder aufzupassen, bis wir einen Ersatz für Patrick gefunden haben.

Am letzten Sonntag kam Natalie- eine Studentin und Redaktorin der Coopzeitung- zu uns auf die Alp.Sie macht einen Stadt-Land Austausch und wird auf der Internetseite der Coopzeitung möglichst täglich bloggen, vor allem über ihre Erfahrungen welche sie mit dem ungewohnten Alpleben macht. Ihr Start war nicht ganz einfach, sie hatte null Infos was sie bei uns zu erwarten hat. Natalie stellt sich aber sehr tapfer und hat im Umgang mit den Tieren keinerlei Ängste, was eine gute Voraussetzung für das tägliche Melken und Treiben der Kühe ist. Dass bei uns der Natelempfang Mangelware ist bereitet ihr noch ein bisschen Mühe, aber auch dies werden wir (sie) noch in den Griff bekommen.

 

Zudem kam am Sonntag auch Willi zu uns, er macht zwei Wochen Landdienst bei uns auf der Alp, da er letztes Jahr schon bei uns war benötigte er keine grosse Einarbeitung.

Mit den beiden kam auch endlich der Sommer zu uns auf die Alp, was uns und den zahlreichen Wanderern Freude macht.

 

Bis bald mit Grüssen von der Mettmenalp.

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19. Juli 2012, von Anne

Kalbsegen

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Schon wieder sind zwei Wochen ins Land gegangen seit meiner letzten Alpgeschichte und in der Zwischenzeit haben wir Nachwuchs bekommen!

 

Sonntagmorgen beim Melken. Ich sitze bei Rigeli, die Melkmaschine macht ihr monotones Tick-Tick und saugt die Milch gurgelnd in die Kanne und sehe hinüber zu Mus und Reina – beide hochschwanger ächzen sie unter der Last ihrer dicken Bäuche. Welche wohl zu erst kalben wird? Und ob alles gut geht? Beide sehen aus wie ein Fass auf vier Beinen, bewegen sich mühsam durchs Gelände und auch das Liegen wird wohl zunehmend zur Qual. Reina rappelt sich jedenfalls nach kurzer Zeit schon wieder hoch und schnauft dabei wie eine Dampflok.

 

Sonntagabend nach dem Einstallen zeigt Markus auf Reina und sagt, sie würde wohl heute Nacht kalben. Tatsächlich hängt ein langer roter Schleimfetzen über ihrem

Reina mit einem ihrer Kälber

Hinterteil, ansonsten ist noch nichts zu sehen. Eine Stunde später – ich schmiere im Käsekeller die letzten Käse – ruft mir Markus von draußen durchs Fenster zu, ich möge Sebastian und den alten Onkel mit Kuhverstand herbeitelefonieren – Reina kalbt -

Zwillinge in Steißlage – eine Herausforderung der Natur für Kuh und Menschen. Kaum telefoniert, eile ich zum Stall. Markus steht mit bloßem Oberkörper und blutigem Arm am Stall – und gibt Entwarung. Ein Kalb liegt bereits im Stroh, das andere kommt kurze Zeit danach, rückwärts zwar, aber so klein, das es fast von selbst rausflutscht. Wir legen sie Reina hin, etwas später tragen wir sie in den Kälberstall.

 

Am ersten Tag sind die Zwillinge noch etwas wacklig auf den Beinen, aber schon mit einer unglaublichen Saugkraft versehen. Sie saugen die Flaschen im Nu leer und beißen sich an meinen Händen fest, die ich ihnen nach dem Füttern zum Saugen gebe. Wir haben viel Spaß zusammen, die kleinen Raubtiere und ich. Es sind ein Böckel und ein Zwick, also ein unfruchtbares Kuhkalb, beide werden uns in wenigen Tagen verlassen und in einem Mastbetrieb aufwachsen.

 

Zwei Tage später legt sich Mus am Nachmittag am

"Drillinge"

Wegrand zum Kalben ab, links die Böschung, rechts der Abhang, kein guter Platz dafür. Wir bringen sie in den Stall, wo sie ungestört von allen, innerhalb kurzer Zeit und ohne Komplikationen ein großes und wunderschönes Kuhkalb zur Welt bringt, das sich zu den Zwillingen gesellt.

 

Am Abend füttere ich die Drei und habe nur zwei Hände und eine Flasche, bräuchte aber eigentlich drei Flaschen und viele Hände. So gebe ich einem die Guttärä (Muotitaler Dialekt für Flasche) mit einer Hand und beschäftige die anderen beiden mit der anderen und weil die Zwillinge mehr beißen als saugen, behelfe ich mir dem grünen defekten Käsereihandschuh. Markus nennt mit die Guttärämutter.

 

Die Guttärämutter

Seit vorgestern sind die Kälber zu viert. Romina hat mitten in der Nacht ein riesiges Stierkalb zur Welt gebracht. Allein und ohne Hilfe hat sich die Arme wohl ziemlich geplagt, denn als Markus um zwei Uhr nachts gucken ging, lag sie völlig erschöpft mit dem Kopf zu Boden im Stroh. Zwei Stunden vorher waren noch nicht mal Wehen zu erkennen. Aber am Morgen danach ist sie mit allen auf die Weide und am Nachmittag sah ich sie mit Rulla um die brünstige Rosita buhlen. Erstaunlich wie schnell sie sich erholt hat.

 

Nun reichen meine Hände und Arme zum Kälberfüttern wohl gar nicht mehr aus und den zweiten Handschuh brauche ich wahrscheinlich auch. Aber dieses Rumgewusel und Gestupse, dieses ungestüme wilde Saugen und dieses vorsichtige Beschnüffeln würde ich mir um nichts in der Welt entgehen lassen. Nichts macht einem soviel Freude, wie junge Lebewesen bei ihren ersten Schritten in die Welt begleiten zu dürfen.

 

Eine gute Zeit wünscht Ihnen herzlich

 

Anne Weber

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19. Juli 2012, von Nadja

Strängs & Schöns

Liebe Leute

 

Die Nackenmuskeln schmerzen, die Hände sind trocken und spannen, der Käse wird immer mehr und die Augen brennen vor Müdigkeit. Willkommen – liebe strenge Zeit.

 

Wie viele andere auch haben wir das Wetter-Hoch genutzt und das Heu trocken über dem Stall deponiert. Im Zimmerboden sowie auch hier an der Site haben wir ein “Heumattli”, damit wir den Kühen zum Gras auch etwas Heu futtern können. Jedes Jahr ist es ein Warten und Hoffen auf gutes Wetter bis das Gras gemäht und getrocknet werden kann. Diesen Sommer war glücklicherweise kein Gewitter in Sicht und somit das Heuen etwas gemütlicher. Trotzdem war gestern auch nach dem Abend-Melken “Heugabeln” angesagt, damit das Heu an einem Tag eingebracht werden kann. Jetzt ist es geschafft und so anstrengend es ist – ohne Wetterpech und Pannen macht es Spass.

(Psst.. ich kann das eigentlich gar nicht objektiv beurteilen, denn ich musste nicht den ganzen Nachmittag “gabeln”. Schliesslich sollte ja jemand bei der Hütte bleiben und Käse verkaufen…;-))

 

Nun übergebe ich das Wort noch kurz an Schnüfi, unser Büsi. Die drängt sich wieder mal auf und will euch etwas Dringendes erzählen, wie es scheint:

Miiau, i ha öppis ganz Wichtigs z säge. I bi nämlech itz Mami. Zwöi chlini Schnüferli hani füredrückt. Haha, mini Bsitzer hani schön ichegleit. Die hei nämlech gar nid sicher gwüsst, obi trächtig bi. I ha haut scho uf d Linie gluegt u nid so zuegnoh ka. Uf jede Fau heisi sä när gsuecht u gfunde. Itz näme si se mängisch chli ufe Schos. Aber das macht mir nüt, i blibe eifach näbe drann u lahmi o chli la chräbele. Z Einte chunnt ganz nach mir. Äs isch wiis mit schwarze u rote Fläcke u z angere isch grau tigeret. Z Graue isch chli chliner u drum muesi bsunders guet zuenim luege. So, itz heisi scho wieder Hunger… I mäude mi wieder!

Frischlinge

 

Bis nächste Woche

Nadja

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